Zeittafel

1888

Gerard Bunk wird am 4. März in Rotterdam als jüngstes von sieben (überlebenden) Kindern des Rektors, Musiklehrers und Chordirigenten Gerardus Cornelis Bunk und seiner Frau Maria geboren.

Die MutterDer Vater

1895

Nach ersten musikalischen Instruktionen vom Vater und nachdem an dem Fünfjährigen das absolute Tonbewusstsein festgestellt worden ist nun Unterricht im Violinspiel (der nur drei Jahre andauert) und in Theorie.

Die Geschwister Bep, Dien, Gerard und Alex BunkAnton Verheij

1901

Eintritt ins Rotterdamer Konservatorium der »Maatschappij ter bevordering der Toonkunst«; Bunk ist in der Hauptsache Schüler des Pianisten (Chordirigenten und Komponisten) Anton B. H. Verheij (1871-1924); kurze Zeit bei Johan Besselaar (1874-1952) auch Unterweisung im Orgelspiel, das jedoch vorwiegend autodidaktisch erlernt wird.
– Währenddessen absolviert Bunk die Realschule, ist Hilfsorganist in verschiedenen evangelischen Kirchen und Leiter der Schüler-Abteilung der Koninklijke Zangvereeniging »Rotte's Mannenkoor«.

1902

13.12.: Datierung der ersten erhaltenen Komposition, eine Romance für Klavier-vierhändig

1902

1904

4.3. Übernahme einer ersten ganzen Organistenstelle in Rotterdam

1906

Juni: Aufenthalt in London
– Im September Abreise nach Hull/England, um das Klavierstudium dort fortzusetzen
– jedoch Abbruch: bereits Oktober oder November Wechsel nach Bielefeld in die »Spezial-Ausbildungsklasse« des Klavierpädagogen Hans Hermanns.

London, Hyde Park, 1906Hans Hermanns

1907

20.6. erstes Orgelkonzert in der Bielefelder Synagoge
– Oktober: Bunk als Meisterschüler und seine spätere Frau gehen mit Hermanns, der dort »erster Lehrer für Klavierspiel« wird, ans Hamburger Konservatorium.
– 23.12. Vertrag als Klavier-, Orgel- und Theorielehrer mit dem Bielefelder Konservatorium. Beginn der eigentlichen Konzerttätigkeit an Klavier und Orgel

Bunk an der Orgel der Bielefelder Synagoge, 1907

1908

Nach der (in den Niederlanden üblichen) Losziehung Freistellung vom Militärdienst.
– Komposition der Orgelwerke Legende op. 29 im Mai, der Variationen op. 31 im Dezember

1909

Die neue Walcker-Orgel der Dortmunder Reinoldikirche wird mit einem Bachfest eingeweiht.
– Im Sommer veranstaltet Bunk in Bielefelds Neustädter Kirche sechs Orgelkonzerte, in denen er (so ein zeitgenössisches Künstlerlexikon) »die Werke der bedeutendsten Orgelkomponisten seit Bach« aufführt; ein Abend ist ausschließlich Max Reger gewidmet.
Weitere Orgelkonzert-Zyklen in den nächsten Jahren in der Synagoge. »Ich darf vielleicht [...] annehmen, daß mein guter Ruf als Orgelspieler durch diese Veranstaltungen seine Begründung gefunden hat.« (Bunk)
– Oktober: Beginn – ergebnisloser – Verhandlungen mit den Konservatorien in Breslau, ...

1910

Stettin und (Juni) Bromberg
– 5.5. Mitwirkung beim Dortmunder Regerfest: Bunk spielt zum ersten Mal, im Wechsel mit Reger, die Orgel von St. Reinoldi, deren Organist zu werden er als »das ersehnte Ziel meines Lebens« erklärt.
– Die Legende op. 29 erscheint.
– 19.5. erster Brief Albert Schweitzers
– 15.9. auf Empfehlung Regers Anstellung als Lehrer für Klavier-Ausbildungsklassen am Dortmunder Konservatorium

1911

Januar/Februar Komposition der Passacaglia für Orgel op. 40

1912

Organist der Altkatholischen Krimkapelle in Dortmund
–Vermählung mit der Bielefelder Kommilitonin Elsa Gessner (1890-1976)
– September Gründung des »Dortmunder Trios«
– Von Dortmund aus Leitung eines Städtischen Gesangvereins Emmerich/Niederrhein (bis Kriegsausbruch; Schumann Rose Pilgerfahrt, Haydn Jahreszeiten, Johannespassion)

Gerard und Else Bunk in der Dortmunder Wohnung, etwa 1918

1913

September Übernahme ersten Orgelunterrichts am Konservatorium

1914

Juli: die Orgel-Variationen op. 31 erscheinen.

1915

Für die Rheinische Musik- und Theaterzeitung, Köln, rezensiert Bunk in den nächsten fünf Jahren Orgelmusik und schreibt Musikberichte und Aufsätze.
– August Komposition der Fantasie für Orgel op. 57

1916

1.10. Vertrag als ständiger Solist und Begleiter für die Konzerte des Dortmunder Orchesters sowie als Organist für die Opernaufführungen des Stadttheaters

1919

7.11. Uraufführung der Symphonischen Variationen für Orgel und Orchester op. 67
– 23.11. erstes Konzert als Dirigent des Unnaer Musikvereins (Mozart-Requiem), mit dem Bunk künftig »alljährlich zwei grosse Werke der Chorliteratur« einstudiert.
– Ende 1919 ...

1920

oder Januar 1920: Anstellung zum Organisten der Dortmunder Petrikirche
– Die Acht Charakterstücke für Orgel op. 54 erscheinen.
– November: der Holländer Paul van Kempen wird Geiger im »Dortmunder Trio«; Cellist ist der Solocellist im Städtischen Orchester, Carl Roser.

Das Dortmunder Trio - Carl Roser, Gerard Bunk und Paul van K

1922

26.6. Uraufführung des Orgelkonzertes op. 70

1923

1.7.-15.9. geheim gehaltener Aufenthalt in Zermatt als Pianist des Kurorchesters der Hotels Seiler, um der aufgrund der Ruhrbesetzung zugespitzten Lage »in dem schrecklichen Dortmund« zu entkommen und um an stabile Währung zu gelangen

1924

erste Radio-Klavierübertragungen im Sender Münster

1925

1.10. Bunk wird Reinoldikantor und -organist;
wie vorher an St. Petri Einrichtung von unentgeltlichen »Kirchenmusiken« (»im Auftrage des Presbyteriums«)
– November: an das jetzt städtische Konservatorium wird eine Kirchenmusikschule angegliedert, an der evangelischen Abteilung unterrichtet er weiter Orgel.
– 23.11. Uraufführung der Symphonie op. 75

1926

Teilnahme an der Freiburger »Tagung für Deutsche Orgelkunst« vom 27.-29.7.
– Erste Orgelübertragungen aus St. Reinoldi (die bis nach England gehört werden)

1927

Bunk führt auf der Frankfurter Internationalen Ausstellung »Musik im Leben der Völker« eine
Walcker-Konzertorgel vor (13.7./4.8.)

Dortmunder Radio-Rundschau, 1927

1928

19.9. Naturalisation
– 11.11. Begegnung mit Albert Schweitzer, der in St. Reinoldi ein Orgelkonzert spielt

Albert Schweitzer an der Orgel von St. Reinoldi, 11. November 1928

1929

6.11. Ein Konzert in der Reinoldikirche ist erstmals »Orgel-Feierstunde« betitelt, die »einen Überblick über die wichtigsten Werke der Orgelliteratur vermitteln« sollen und von Bunk nun vierzehntäglich veranstaltet werden; im Mittelpunkt steht die Darbietung des Gesamtschaffens für Orgel von Bach und Reger. Den Bachverein an St. Reinoldi leitet er inzwischen regelmäßig bei
Festgottesdiensten (A-cappella-Literatur, Bach-Kantaten) und Passionenaufführungen.

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1930

Er wird zusätzlich Organist der Dortmunder Synagoge (Walcker-Orgel).

Synagoge Dortmund

1931

Februar erstes Konzert mit dem »Orchester der Berufsmusiker beim Arbeitsamt Dortmund«, das Bunk fortan für kirchenmusikalische Aufführungen einsetzt und in Unterhaltungskonzerten dirigiert, die vom Sender Köln (und Breslau) übertragen werden

1932

Dezember tritt der Konzertmeister Friedrich Enzen für den ausgeschiedenen van Kempen ins »Dortmunder Trio« ein.

1933

11.5. Niederlegung des Organistenamtes an der Synagoge unter unbekannten Umständen
– Der »elitäre« Musikverein Unna wird zum »Städtischen Volkschor« umgewandelt; Bunk übernimmt zunächst das Dirigat, obwohl laut Zeitungsmeinung »Gerard Bunk, der Dirigent des aufgelösten Musikvereins, der Führer des neuen Chores nicht sein [darf], weil viele Volksgenossen in ihm einen Exponenten jenes Vereins sehen« (13.11.).
– 3.12. erstes Konzertieren mit dem »Bielefelder Kinderchor«, den Bunk bis zu seinem Lebensende vornehmlich in Weihnachtskonzerten an der Orgel begleiten wird

1934

Veröffentlichung der Passacaglia op. 40

1936

Veröffentlichung der Fantasie op. 57
– Konsistorialrat Oskar Söhngen überbringt Bunk die Ernennung zum Kirchenmusikdirektor durch den Berliner Oberkirchenrat vom 21. Oktober.

1937

Februar Erwerb eines Cembalos, auf dem Bunk nun auch konzertiert
– August: Bunk wird zum Leiter des Städtischen Musikvereins in Gütersloh gewählt; in den kommenden Jahren »Widerstände von der Seite der Partei« gegen die Arbeit des Vereins. Musikunterricht an der »Hindenburg-Oberschule«
– 4.9. Nach einer »Abendmusik« (wahrscheinlich in Anlehnung an Buxtehudes Lübecker Abendmusiken) Anfang Juli mit Motetten und Orgelwerken erbittet Bunk vom Reinoldi-Presbyterium die Genehmigung zur ständigen Einrichtung solcher Konzerte; nun auch Reisen mit dem Bachverein und besonders mit Bach-Programmen in Rheinland und Westfalen
– 29.9. Bunk gibt dem Unnaer Bürgermeister seinen Rücktritt vom Dirigentenamt seines »Schmerzenskindes«, des »Volkschores« bekannt.
Zuvor Querelen ebenso im Bachverein: Bunk wird ein Mangel an volksverbundenem »Gemeinschaftsgefühl« vorgeworfen; seiner Absetzung bzw. einer Spaltung
des Chores kann er aber entgegenwirken.

Bunk an seinem Cembalo, 1937

1938

29.1. kommt es in der Reinoldikirche zu Ausschreitungen, als »Deutsche Christen« und Anhänger der »Bekennenden Kirche« aufeinander treffen; Bunk spielt die Orgel »zu Gunsten der Bekenntnisfront«.

1939

Musik für Orgel op. 81
– Er erteilt nun auch an der Dortmunder »Hochschule für Lehrerbildung« Orgelunterricht.

1940

Am 14. Mai wird Rotterdam durch die deutsche Luftwaffe zerstört. Im Anschluss daran gibt Bunk ein Oratorienlibretto in Auftrag.

Rotterdam nach dem deutschen Luftangriff 1940

1942

4.9. Legt die Leitung des Gütersloher Musikvereins nieder

1943

Über das ganze Jahr (bis Beginn 1944) Konzertreisen mit dem Cellisten Popoff in Österreich und Süddeutschland
– 23/24.5. Bei einem nächtlichen Fliegerangriff werden die Reinoldikirche und die Orgel beschädigt.

St. Reinoldi, 1943

1944

24.3. Die Reinoldiorgel vollends vernichtet.
6.10. erneuter Angriff: Bunks gesamte Orgelnoten sowie die Notenbestände des Bachvereins gehen verloren.

1945

1.2. Rundbrief Bunks an die Mitglieder des Bachvereins mit dem eindringlichen Appell zur Weiterarbeit (»... nicht verzagen und nicht der Meinung Raum geben, daß in dieser schwersten aller Zeiten nun auch unsere Kunst dahin ist«).
– August: Die – kaum unterbrochene – kirchenmusikalische Arbeit wird in unzerstörten Dortmunder Kirchen wieder aufgenommen; in den kommenden Jahren zudem häufige Reisen mit dem Bachverein; das Repertoire ist inzwischen u.a. um Schütz- und Brahms-Motetten ergänzt; zunehmend auch wieder auswärtige Oratorien- und Passionen-Aufführungen – »Triovereinigung Bunk-Enzen-Evler«: in den kommenden Jahren u.a. Aufführung des Streicher-
Klavier-Gesamtwerkes von Beethoven in verschiedenen Städten.

1946

30.4. erneuter Vertrag mit dem Musikverein Unna

1948

29.3. Uraufführung des Oratoriums Groß ist Gottes Herrlichkeit

1949

Ab 1.12. Musikunterricht am Gymnasium Gelsenkirchen

1950

Intensive Konzertaktivitäten im Bachjahr

1951

Ab 1.5. (bis Ende 1952) Unterricht am Stadtgymnasium Dortmund
– 31.7.-4.8. Teilnahme an der Gründungstagung der »Gesellschaft der Orgelfreunde« in Ochsenhausen

1952

Jahresbeginn: Bunk hat wieder eine Orgel; er wird Organist der Dortmunder Westfalenhalle, für
die er ein neues Walcker-Instrument disponiert hat.
– 20.8. erste Probe im sauerländischen Menden, wo er den Musikverein leitet – Dezember Gründung eines »Bunk-Kammermusikkreises«, der künftig den Orchesterpart in den Chorkonzerten übernimmt und mit dem er, vom Cembalo aus dirigierend, barocke Instrumentalmusik aufführt

An der neuen Walcker-Orgel im Goldsaal der Westfalenhalle

1953

In den Sommermonaten nun und in den folgenden Jahren Konzerte auf der Nordseeinsel Juist.

1954

17.1. Wiederaufnahme der Kirchenkonzerte im aufgebauten Nordschiff von St. Reinoldi, wo eine Interims-Orgel (Walcker, II/18 + P.) aufgestellt ist.
Am 8.5. die 266. Orgel-Feierstunde: Bach, Die Kunst der Fuge für die Orgel eingerichtet von Gerard Bunk

1956

3.6. Wiedereinweihung St. Reinoldis, Aufführung der h-Moll-Messe – Bunks Orgelfassung des Musikalischen Opfers erscheint.

An der Interims-Orgel in St. Reinoldi, etwa 1956

1958

Nach der Matthäuspassion am 4. April erleidet Bunk einen Zusammenbruch.
– 18.5. Er weiht die neue Walcker-Orgel (IV/72) in St. Reinoldi ein, unter den Zuhörern »viele Orgelexperten von nah und fern«.
7.6. letzte, 338. Orgel-Feierstunde (die 528. Kirchenmusik)
– 10.6. Infarkt – Gerard Bunk stirbt am 13. September in Kamen bei Dortmund.

Beim Bau der Reinoldi-Orgel 1958, ganz links Werner Walcker

21.1.59

Liebe Frau Gerard Bunk
Ich kann es noch nicht fassen, dass Gerard Bunk vom Tode ereilt wurde, wo er uns noch so viel zu geben hatte. Wie viele sind wir, die mit Ihnen um seinen so frühen Heimgang trauern und die Grösse Ihrer Trauer ahnen... Ich habe mich für ihn vom ersten Augenblick an, da ich mit ihm zusammenkam, interessiert, weil ich durch ihn als Mensch und als Künstler, der er war, so beeindruckt war. Was er in seinem Buche von unserem ersten Zusammensein erzählt, ist mir noch lebendig gegenwärtig. Ich kümmerte mich nicht darum, dass wir zum Festessen erwartet wurden, sondern wollte seine Kompositionen, von ihm gespielt, ganz kennenlernen.
Ich erinnere mich auch noch ganz gut an den Brief, den ich ihm einige Zeit vorher auf die Zusendung einer Komposition geschrieben hatte.
Als ich bei der Heimkehr nach Europa 1948 erfuhr, dass seine schöne Orgel vernichtet sei, war ich von seinem Unglück erschüttert... Eines dürfen Sie versichert sein: Alle, die Ihren Mann gekannt haben, werden ihm ein treues Andenken bewahren. Ich hatte mich so darauf gefreut, ihn noch einmal zu sehen, in meinem nächsten Europaaufenthalt. Sein Andenken wird immer mit der Reinoldiorgel verhaftet sein. Dass er sein schönes, so lehrreiches Werk »Liebe zur Orgel« fertig brachte und uns hinterlässt, ist etwas Kostbares, das wir schätzen und hüten. Der Künstler hat es geschrieben. Es fesselt durch seine Darstellung ebenso wie durch seinen Inhalt...
Keiner hat so über Orgelbau und Orgelkunst im Wandel der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts berichtet und das Bild und die Entwicklung festgehalten, wie er es tat.

Mit lieben Gedanken Ihr ergebener
Albert Schweitzer